da!:DESIGNAKADEMIE on Tour | Dänemark
Am 19. Mai gegen 5:00 Uhr in der Frühe sammelte sich eine
Gruppe Designjunkies am Bahnhof in Rostock.
Gut gelaunt sprangen junge Kreative aus
allen Jahrgängen in den Bus zum Überseehafen.
Dort angekommen dann die Hiobsbotschaft:
»Prins Joachim« – unser Schiffchen – ist kaputt gegangen.
Wie konnte das nur passieren.
Eine Gruppe Architekturstudenten der Wismarer Uni (die sich
unserer Dänemarkreise angeschlossen hatten) spekulierte,
ob vielleicht mal wieder ein Ölwechsel nötig war.
Der ein oder andere Spaß vertrieb die Zeit und
schon bald hatte das Scandlines-Team seine Schiffsschraube im
Hafenbecken wieder gefunden.
Kurz nachdem die Fähre dann den Hafen verließ,
stellten sich 193 Meter Kreuzfahrtschiff in den Weg
– also eigentlich wollte es nur im Rostock Port einparken üben.

Nach einer doch extrem ruhigen Überfahrt kamen auf
der dänischen Autobahn dann die ersten Regentropfen.
Sollte der Tag ins Wasser fallen und
»Prins Joachim« uns je wieder von der Insel holen?
Die Ankunft in Louisiana ließ hoffen:
Sonnenschein, blühende Gärten und fröhliche
Kinderscharen auf dem Weg ins Museum.
Aber Louisiana Museum of Modern Art ist nicht nur ein Museum
– Louisiana ist ein großer Spielplatz.
Im Garten versteckt sich hinter jedem Baum irgendein Meisterwerk:
humorvolle Fabelwesen von Max Ernst, perfekte
Rundungen von Jean Arp oder
rostige Stahlwände von Richard Serra.
Direkt @ youtube.com
Auch die Gebäude stehen nicht einfach so da …
Lang gestreckt integriert sich das Museum selbst in die Anlage.
Es entsteht ein beeindruckendes Gesamtkonzept in dem
der Besucher herumwandeln kann.
Als Deutscher ist man erstaunt, einfach über die Wiese laufen zu dürfen.
Derzeit ist natürlich die Picasso-Ausstellung das große Thema.
Vielleicht hab ich Picasso einfach schon zu oft gesehen,
dass ich mich nicht mehr so für sein Werk begeistern kann.
Aufgefallen ist mir die Sichtweise der Bilder auf die Frau.
Völlig unterdrückt, unemanzipiert, verletzt und selten schön.
Die Bilder geben Anreiz, auch über das heutige
Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen zu diskutieren.
Ein zweiter Gedanke zu Picasso kam mir bei
dem Thema »The Dove of Peace«,
einem der acht Themen der Ausstellung.
Die einfache Friedenstaube ist jedem als Logo für
die Friedensbewegung bekannt. Aber erst
das Lebenswerk – die vielen Jahre Arbeit Picassos
haben zu ihr geführt. Ich war erstaunt über
die zahlreichen Varianten und Zwischenschritte von Picasso.
Im Grunde gefielen mir die ausgearbeiteten und
detaillierten Zeichnungen bzw. Gemälde besser als
das bekannte Täubchen.
Auch in Louisiana zu sehen ist David Hockney,
der statt Home Made Prints nun auf der Apple-Welle mitschwimmt.
So ist die ganze Ausstellung auf iPods, iPads und
großen Screens präsentiert. Es laufen sanfte Bildwechsel,
kleine Speedpainting-Filme oder die typischen Slide-Effekte.
Der Hersteller ist nirgends zu sehen und lässt
die grellen expressiven Motive von Hockney wirken.
Meiner Meinung nach könnte man allerdings
eine wunderbare Werbekampagne draus machen oder
mal eine Hockney-Edition für den iPod rausbringen.
An die Malerei von Al Taylor, der noch bis 15. Juni in
Louisiana zu sehen ist, kam ich nicht so ganz heran.
Aber seine Fotos haben mich extrem fasziniert.
Eine Serie mit sepiafarbenen Aufnahmen von alten amerikanischen
Häusern mit rostigen amerikanischen Autos davor.
Der Bildausschnitt und die starke Bewegungsunschärfe
machten die Bilder noch spannender.
Nach den vielen schwarz-weißen Zeichnungen von
Al Taylor, kam man schließlich zu einer Tür,
durch die man mit maximal zwei Personen durfte.
Mit dem grauen Konzept von Taylor im Kopf stand ich plötzlich
mitten im Universum von Yayoi Kusama.
Bei seiner Installation »Gleaming Lights of the Souls« steht
der Besucher auf einem kleinen Steg im Wasser.
Der Raum ist komplett schwarz und die Wände sind verspiegelt.
Von der Decke hängen leuchtende Kugeln in
unterschiedlicher Höhe und dimmen ihr
Licht gleichzeitig in verschiedenen Farben.
Wer meint er hätte schon alle Drogen getestet,
sollte unbedingt mal in diesen Raum gehen.

Henry Moore Plastik in Louisiana
Bevor es weiter nach Kopenhagen ging, genossen wir
das gute Wetter auf der Wiese mit Blick über den Øresund.
Auf dem steilen Abhang tobten dänische Kinder und
deutsche Nachwuchsdesigner.
Die Fahrt ging dann am Wasser entlang und
wir landeten schließlich im Amaliehaven von Kopenhagen.
Von dort aus wanderten wir in den Stadtteil Christiana,
wo ich mich mit den Wismarer Kollegen über
Rostocker Fliesenleger unterhielt.
Völlig inspiriert und benebelt taumelten wir zurück
durchs sonnige Kopenhagen – umringt von
Fahrradfahrern und Designbüros.
Grüße an Saatchi & Saatchi Copenhagen übrigens
– schöne Lage dort am Kastellet :)

Amaliehaven in Kopenhagen
Trotz des holprigen Starts war die Reise ein
wunderbares Erlebnis mit vielen Eindrücken,
die ich so schnell nicht vergessen werde
– zumindest erinnern mich die sieben Kronen auf
meinem Monitorsockel noch eine
Weile an das dänische Intermezzo.
Mein Dank gilt noch Felix Kapolka für
die Unterstützung zu diesem Beitrag.
Louisiana Museum of Modern Art @ louisiana.dk
David Hockney @ hockneypictures.com
Yayoi Kusama @ yayoi-kusama.jp
Saatchi & Saatchi Copenhagen @ saatchi.dk
da!:DESIGNAKADEMIE @ da-designakademie.de
Hochschule Wismar @ fg.hs-wismar.de
da!:DESIGNAKADEMIE on Tour @ friedemann-ohse.de
Felix Kapolka @ felixkapolka.de
unser schmackhafter Begleiter @ rekorderligcider.com





Kommentare